Fasnacht, Fasching, Karneval:

Fasenacht, Fasenacht isch
wenn mei Muatter Küachle bacht,
wenn se aber koine bacht,
dann isch fier mi kei Fasenacht.

So lautete der Reim, den wir Kinder zur Faschingszeit sangen. Die Küchle waren Fettgebackenes, das traditionell am Faschingsdienstag oder am schmutzigen Donnerstag verzehrt wurde. Der Name schmutziger Donnerstag kommt keinesfalls von Schmutz sondern von dem alemannischen „Schmotz“, was so viel bedeutet wie Fett.

Die Fasnacht wird auch die 5. Jahreszeit genannt.

Die ältere Forschung deutet die Fasnacht als Brauchtum, mit der der Winter ausgetrieben wird und das Frühjahr begrüsst wird. Neuere Forschungen haben ergeben, dass die heute existierenden Traditionen nur bis etwa ins 12. Jh. zurück zu verfolgen sind. Die Annahme, uralte, heidnische Kulte aus der Vorzeit wären Grundlage, sind damit nicht mehr haltbar.

Nachdem die Masken und Vermummungen, die zur Fastnacht getragen wurden, anfangs noch eher zufällig gewesen sein dürften, begann sich ab etwa 1450 ein immer klareres Figurenrepertoire auszuprägen, dessen Grundtypen, natürlich mit zahlreichen lokalen Varianten, sich über weite geografische Räume hinweg sehr ähnlich waren. Hinsichtlich der dargestellten Charaktere fällt auf, dass es prinzipiell nur Negativgestalten gab, und dass Rollenklischees mit positiver Bewertung praktisch völlig fehlten. Am weitaus häufigsten erwähnen die Quellen vor 1500 den Teufel, der in vielen Fastnachten leibhaftig in Erscheinung trat und sein Unwesen trieb. Ihm quasi benachbart war der Wilde Mann, ebenfalls eine unheimliche Figur, von der sich die Volksfantasie stets hatte anregen lassen. Weniger Schaudern, aber umso mehr Spottgelächter rief das alte Weib oder später die Hexe hervor, zumal es als Fastnachtsgestalt durchweg von Männern verkörpert wurde. (vgl. Mezger 1999, S. 11f)

Die Akteure dieser Manifestation einer verkehrten, diabolischen Welt kleideten sich entsprechend. Die Fasnacht wurde zur Schau von Negativgestalten. Es tummelten sich Teufel und wilde Leute, Bauerntölpel und heidnische Exoten wie Türken und Mohren - parallel dazu entwickelte es sich der Typus des Narren mit Eselsohrenkappe, Schellen, Narrenzepter, Spiegeln, Hahnenfedern und Fuchsschwänzen, der zum Inbegriff für alle fasnächtlichen Maskenträger wurde. All dies gibt es ja auch heute noch an Fasnacht, wenn auch den Trägern kaum mehr bewusst ist, woher das alles kommt.

Etwa gegen das Ende des 17. Jahrhunderts gewann der italienische „Carneval“ Einfluss auszuüben auf die Tradition des Fasnet. Zunächst verbreitete sich der „Karneval“ eher im rheinischen Gebiet, aber nun tauchten auch im alemannischen Gebiet erste Larven, Masken auf. Eine andere Art der Lebensfreude sah herab auf die eher düstere, aggressive Fasnet-Tradition und wandte sich den Bajazzos und Harlekinen zu, die eher lustig und fröhlich waren.

In der Romantik, Anfang des 19. Jahrhunderts, wollten Gruppen des Bürgertums nach einer Zeit der restriktiven Zurückhaltung besonders der Obrigkeit, gegen die Fasnet und besonders des „Karnevals“, diese Festivitäten „aufwerten“ und moralisch „veredeln“. Dies betraf insbesondere das Rheinland. Das Fest des Volkes sollte so übertragbar werden auf den gehobenen Stand. So wurde ein „Held“ geboren, der Karnevalsprinz.

Und wenn dann wirklich (fast) alle anderen mit der Fasnacht fertig sind, dann feiert das protestantische (!) Basel in der Schweiz seine deutlich anders geartete Fasnacht, an der es nach der Reformation von 1529 festhielt und deren heutige Form sich im wesentlichen erst im 19. Jahrhundert herausbildete. Am Montag nach Aschermittwoch um Schlag 4 Uhr morgens beginnt sie mit dem „Morgestraich“, der als Gegenstück zum militärischen „Zapfenstreich“ gesehen wird. Nachdem alle Lampen erloschen sind und es totenstill ist, ziehen zum Auftakt der drei närrischen Tage die trommelnden und pfeifenden „Cliquen“ (Fasnachtsgruppen) - begleitet von den Trägern der zahllosen beleuchteten Steckenlaternen - in ihren vielfältigen Kostümen, mit Gips- und Pappmachémasken vermummt, stundenlang durch die Gassen der Basler Altstadt, wobei von jeder Clique ein bestimmtes „Sujet“ (Thema) präsentiert wird. Montag und Mittwoch nachmittags findet jeweils ein Umzug („Cortège“) statt, an dem auch Wagen und Guggenmusiken teilnehmen.

Die Karnevalszeit hat traditionell feste Bezugspunkte. Die Eröffnung der Session zum närrischen Termin am 11.11. um 11.11 Uhr ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Der Tag gibt einen ersten Ausblick: Prinzenpaar oder Dreigestirn. Ausserdem wird das Motto vorgestellt. Der Tag ist ein karnevalistischer Appetitanreger - nicht mehr und nicht weniger.
Die tatsächliche Fasnacht beginnt am letzten Tag der zwölf Rauhnächte, am Dreikönigstag, dem 6. Januar. Und am Aschermittwoch endet die Fasnacht. Der Aschermittwoch ist jedoch kein fester Tag im Kalender wie der Dreikönigstag; der Aschermittwoch ist beweglich. So kommt es, dass bei einem festen Anfangsdatum und einem beweglichen Enddatum die Dauer der Fasnacht Jahr für Jahr verschieden ist. Der Aschermittwoch richtet sich nach Ostern. Ostern findet am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr statt. Die Fastenzeit dauert 40 Tage, die Sonntage nicht eingerechnet, und endet mit dem Ostersonntag. Somit ergibt sich, dass der Aschermittwoch 46 Tage vor Ostersonntag ist. Je früher also Ostern ist, umso kürzer ist die Fasnacht.

Literaturhinweis:

Mezger, Werner, Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fasnet, Theiss Verlag Stuttgart, 1999

 

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